Unfälle mit der Eisenbahn oder der S-Bahn sind leider, auch in Neuenhagen, kein Einzelfall. Zum Glück treten diese nicht in großer Häufigkeit auf. Erinnert sei an dieser Stelle an die beiden jüngeren schwereren Unfälle am Bahnübergang in der Hauptstraße. 2010 ereignete sich dort ein Unglück, als eine S-Bahn in einen mit Betonteilen beladenen Sattelschlepper fuhr. Ein anderer Unfall ereignete sich im März 2024 zwischen der Bahn und einem LKW. Diese zerstörte damals fast vollständig das Fahrerhaus des Lkw. Der Fahrer wurde verletzt, die Fahrgäste blieben zum Glück unverletzt.

Während Neuenhagen heute über zwei Bahnübergänge verfügt, gab es bis 2003 sieben weitere. Gemeint sind hier die Übergänge der Kleinbahn. Auch wenn diese 1965 ihren Betrieb mit der Personenbeförderung einstellte, die Strecke bis zum Umspannwerk wurde noch weiter genutzt. Da es weder eine Lichtzeichenanlage noch Schranke an den Übergängen gab, sah die Dienstanweisung vor, dass der zweite Lokführer der Bahn vorausging und mittels Schwenken einer Fahne den herannahenden Zug ankündigte. Zusätzlich musste ein Signal mittels der am Zug befestigten Pfeife abgegeben werden.
Trotz dieser Vorschriften gab es immer wieder Unfälle mit dem „Titicaca-Express“, einer Bezeichnung den der Neuenhagener Volksmund der Bahn wegen ihrem rasenden Schneckentempos gab. Als schwerster dieser Art lässt sich der Unfall vom 27. Mai 1931 werten. Bei einer Kollision eines Motorrades mit der Kleinbahn wurde der auf dem Sozius befindlichen Ehefrau ein Bein abgefahren. Kurze Zeit später erlag sie den Verletzungen.

Der wohl schwerste Unfall mit der Eisenbahn in Neuenhagen ereignete sich in den frühen Morgenstunden des 30. Dezember 1936 an der Schrankenquerung in der Niederheidenstraße. Bei nebligem Wetter passierte gegen 3:30 Uhr ein PKW den Bahnübergang. Der 53 Jahre alte Schrankenwärter Rudolf H., so die Aussagen der damaligen Presse, hatte geschlafen und die Schranken nicht geschlossen. Durch diesen gravierenden Fehler kollidierte der Wagen mit zwei aneinander gekoppelten Lokomotiven, welche in Richtung Strausberg unterwegs waren. Der Wagen wurde ca. 150 Meter mitgeschleift und durch die Wucht des Aufpralls vollkommen zertrümmert. Die traurige Bilanz des Unglücks: zwei Tote und zwei Schwerverletzte. Bei den beiden Toten handelte es sich um den Unternehmer Karl Müller und den Holz- und Kohlenhändler Erich Bonk. Müller, der schwere innere Verletzungen und Quetschungen erlitt, hatte sich 1921 in Neuenhagen niedergelassen und betrieb in der heutigen Ernst-Thälmann-Straße 10 bis 12 ein Baugeschäft und Architekturbüro. Bonk, er wurde aus dem Wagen geschleudert und geriet unter die Lokomotiven, war seit Anfang der 1930er Jahre in Neuenhagen und hatte in der Platanenallee sein Geschäft für Holz, Kohlen und Baumaterialien sowie ein Fuhrgeschäft.
Die weiteren Insassen waren der Taxichauffeur Richard Bethke, der Unternehmer Arthur Gaida und der Rektor der „Neuen Schule“ (heutige Goethe-Grundschule) Paul Miersch. Die ersten beiden erlitten mehr oder wenig schwere Verletzungen und wurden auf Anweisung der beiden vor Ort anwesenden örtlichen Ärzte, Dr. Martin Orthband und Dr. Severin Robinski, in das Krankenhaus in Altlandsberg überführt. Rektor Miersch wurde nach der Verarztung nach Hause gebracht. Das Gericht verurteilte damals den Schrankenwärter wegen berufsfahrlässiger Tötung, Körperverletzung und Transportgefährdung zu sechs Monaten Gefängnis. Mildernd bei der Strafzumessung wirkte der Umstand, dass der Angeklagte als stets pflichtgetreuer Beamter bekannt war und das ihm von allen Seiten ein gutes Zeugnis ausgestellt wurde. Der Bahn wurde damals der Vorwurf gemacht die jahrelang bereits mehrfach vorgebrachten Verbesserungswünsche nicht umgesetzt zu haben. Gerade dieser, durch die Verbindung von zwei dicht besiedelten Ortsteilen, stark befahrener Übergang hatte damals eine geringe Breite und wurde nur durch zwei notdürftige Petroleumlampen in der Nacht erleuchtet. Zum Glück ist dieser Umstand heute behoben.

