Integriertes Klimaschutzkonzept (IKK)
Die Gemeinde Neuenhagen bei Berlin hat am 06.07.2026 ihr erstes Integriertes Klimaschutzkonzept (IKK) beschlossen. Es bildet die strategische Grundlage für eine zielgerichtete, alle Fachbereiche umfassende Klimaschutzarbeit in unserer Gemeinde und beschreibt konkrete Wege, wie Neuenhagen bei Berlin seinen Beitrag zur Treibhausgasneutralität bis 2045 leisten kann.
Die Erstellung des Klimaschutzkonzeptes wurde im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) gefördert (Förderkennzeichen: 67K27481, Laufzeit: 01.07.2024 bis 30.11.2026).
Das Integrierte Klimaschutzkonzept der Gemeinde Neuenhagen bei Berlin (Stand: Mai 2026) steht hier als vollständiges Dokument zum Download zur Verfügung:
Kontakt
Bei Fragen wenden Sie sich gerne an:
Klimaschutzmanager der Gemeinde Neuenhagen bei Berlin
Am Rathaus 1, 15366 Neuenhagen bei Berlin
E-Mail: klimaschutz@neuenhagen-bei-berlin.de
Das Klimaschutzkonzept auf einen Blick
Was ist ein Integriertes Klimaschutzkonzept?
Ein Integriertes Klimaschutzkonzept ist das zentrale Planungsinstrument für den kommunalen Klimaschutz. Es zeigt, wo die Gemeinde heute steht, welche Einsparpotenziale vorhanden sind und welche Maßnahmen umgesetzt werden können. Anders als einzelne Klimaschutzprojekte betrachtet das IKK alle Bereiche im Zusammenhang: von der Energie- und Wärmeversorgung über Mobilität bis hin zur Klimaanpassung.
Die Erarbeitung erfolgte in drei aufeinander aufbauenden Phasen:
- Datenerhebung und Analyse
Erstellung der Energie- und Treibhausgasbilanz (Bilanzjahr 2022), Potenzialanalyse und Szenarienentwicklung bis 2045 - Strategieentwicklung und Beteiligung
Festlegung von Klimazielen, Bürgerbeteiligung und Entwicklung des Maßnahmenkatalogs - Umsetzungsstrategie
Controlling-Konzept, Kommunikationsstrategie und Verstetigungsplanung
Ausgangslage: Wo steht Neuenhagen bei Berlin?
Für das Bilanzjahr 2022 wurden die Treibhausgasemissionen der Gemeinde nach der bundeseinheitlichen BISKO-Methodik ermittelt.
Die wesentlichen Ergebnisse:
- Treibhausgasemissionen insgesamt: 168.013 Tonnen CO₂-Äquivalente (t CO₂eq)
- Pro-Kopf-Emission: etwa 8,8 t CO₂eq, vergleichbar mit dem bundesweiten Durchschnitt
- Endenergieverbrauch insgesamt: 540.691 MWh
Die Hauptemissionsquellen liegen im Wärmebereich, gefolgt von Verkehr und Strom. Positiv hervorzuheben: Neuenhagen bei Berlin wird bereits seit Jahren nahezu vollständig mit Ökostrom versorgt, und der Anteil der Ölheizungen ist im bundesweiten Vergleich gering. Im Mobilitätsbereich profitiert die Gemeinde von einer guten Anbindung an den ÖPNV über die S-Bahn-Linie S5.
Potenziale und Szenarien bis 2045
Die Potenzialanalyse zeigt, dass in allen untersuchten Bereichen erhebliche Möglichkeiten zur Verringerung der Treibhausgasemissionen bestehen. Das Klimaschutz-Szenario verdeutlicht, was erreichbar ist, wenn alle verfügbaren Maßnahmen konsequent genutzt werden:
Bereich | Einsparpotenzial bis 2045 im Klimaschutz-Szenario |
Stromsektor | bis zu –95% |
Wärmebereich | bis zu –87% |
Mobilität | bis zu –90% |
Gesamt | bis zu –89% gegenüber 2022 |
Im Klimaschutz-Szenario können die Treibhausgasemissionen von derzeit 168.013 t CO₂eq auf rund 18.864 t CO₂eq im Jahr 2045 sinken. Voraussetzung dafür sind insbesondere der Ausbau erneuerbarer Energien, vor allem der Photovoltaik, die schrittweise Umstellung der Wärmeversorgung sowie eine Verlagerung des Verkehrs auf den öffentlichen Personennahverkehr, den Radverkehr und den Fußverkehr.

Abbildung: Endenergiebedarfe und erwartete Erzeugung erneuerbarer Energien im Klimaschutz-Szenario des IKK von Neuenhagen bei Berlin.
Handlungsfelder und Maßnahmen
Auf Grundlage der Bilanzierung, der Potenzialanalyse und der Ergebnisse der Bürger- und Fachbeteiligung wurden zwölf priorisierte Handlungsfelder mit insgesamt 40 Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen erarbeitet:
Nr. | Handlungsfeld | Beispielmaßnahmen |
1 | Flächenmanagement & Bauleitplanung | Klimagerechte Innenentwicklung, Schwammstadt-Konzept, Waldumbau |
2 | Straßenbeleuchtung | LED-Vollumrüstung, intelligente Lichtsteuerung, Solar-LED an Radwegen |
3 | Private Haushalte | PV-Informationskampagne, Klimaschutztaler-Bonusprogramm, Heizungsberatung |
4 | Beschaffungswesen | Nachhaltige Beschaffungsrichtlinie, Ökostrom, Elektrifizierung des Fuhrparks |
5 | Erneuerbare Energien | PV-Ausbau auf kommunalen Dächern, Parkplatz-PV, lokale Energiegemeinschaft |
6 | Klimaanpassung | Hitzeaktionsplan, hitzeresiliente Bepflanzung, Dachbegrünung, Gewässerrenaturierung |
7 | Abwasser & Abfall | Zero-Waste-Konzept, Foodsharing, Reparaturcafés |
8 | Gewerbe, Industrie & Handwerk | Gewerbe-Klimadialog, Energieberatung für Unternehmen |
9 | Eigene Liegenschaften | Sanierungsfahrplan für kommunale Gebäude, Energiemanagementsystem |
10 | Mobilität | Radnetz-Lückenschluss, Tempo-30-Zonen, Ausbau der S-Bahn-Infrastruktur (i2030) |
11 | Wärme & Kälte | Interkommunale Wärmeplanung, Solarthermie auf Schulen und Kitas |
12 | IT-Infrastruktur & Digitalisierung | Nachhaltige IT-Beschaffung, Ausbau digitaler Bürgerdienste, E-Akte |
Bürgerbeteiligung: Ihr Beitrag zählt
Das IKK wurde in einem offenen Beteiligungsprozess erarbeitet. Im Rahmen einer Bürger-Informationsveranstaltung wurden Ideen und Vorschläge der Neuenhagenerinnen und Neuenhagener aufgenommen und in das Konzept eingearbeitet. Schwerpunkte aus der Beteiligung waren:
- eine nachhaltige Wasserwirtschaft und die Entwicklung von Schwammstadt-Konzepten,
- die kommunale Wärmeplanung und die Prüfung lokaler Wärmenetze,
- der Erhalt und die Erweiterung von Waldflächen,
- der Ausbau sicherer Radwege,
- die Verbesserung des ÖPNV-Angebots,
- Beratungsangebote für private Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer
Klimaschutz ist eine gemeinsame Aufgabe von Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Bürgerschaft. Die Gemeinde lädt alle Beteiligten ein, sich weiterhin einzubringen.
Beispiele aus der Umsetzung
Die Gemeinde Neuenhagen bei Berlin setzt bereits seit mehreren Jahren Maßnahmen zum Klimaschutz und zur nachhaltigen Gemeindeentwicklung um. Dazu gehören unter anderem:
- die schrittweise Umstellung der Straßenbeleuchtung auf energiesparende LED- Technik,
- Photovoltaikanlagen auf gemeindeeigenen Gebäuden zur Erzeugung erneuerbaren Stroms,
- der VBB-Rad Park am S-Bahnhof mit 264 überdachte Fahrradstellplätzen,
- die Beteiligung an der Initiative i2030 zur Verbesserung der Schieneninfrastruktur,
- ein Pilotprojekt zum zirkulären Wohnen in Zusammenarbeit mit verschiedenen Forschungsträgern für eine nachhaltige, generationengerechte Wohnentwicklung sowie
- die interkommunale Wärmeplanung in Kooperation mit Hoppegarten, Altlandsberg, Fredersdorf-Vogelsdorf und Petershagen/Eggersdorf.