Die letzte große Baumaßnahme an der Bollensdorfer Dorfkirche wurde von 1938 bis 1942 durchgeführt. So entstand ein Anbau eines zweistöckigen Gebäudes auf der Südseite der Kirche und im Fußboden ein Schacht für die Luftheizung. Nach dem 2. Weltkrieg erhielt die Kirche neue farbige Kirchenfenster aus der Werkstatt Katharina Petschel (Berlin) sowie ein Altarkreuz und zwei Altarleuchter von dem bekannten Berliner Kunstschmied Fritz Kühn.

Es vergingen dann viele Jahrzehnte, bis die Kirche im Zeitraum von Herbst 2025 bis Mai 2026 baulich neu gestaltet und umfangreich modernisiert wurde. Dabei erhielt das Gebäude eine neue moderne Heizungsanlage, eine neue Elektroanlage, eine neue Treppe zur Orgelempore, ein drittes Fenster in der Apsis, eine neue Farbgestaltung an den Wänden und an der Decke. Ebenso wurden die Bestuhlung erneuert und Glaselemente als Trennwände zum Gemeinderaum gesetzt. Es entstand ein neues Küchenabteil, welche insbesondere bei Veranstaltungen hilfreich ist. Abschließend wurde zudem eine behindertengerechte Toilette im Mausoleum eingebaut.

Somit bekam der Gebäudekomplex eine umfangreiche Erneuerung, des geschichtsträchtigen Hauses. Denn das Dorf Bollensdorf wurde schon um 1250 gegründet und war schon frühzeitig mit der Kirche verbunden. Bereits im Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 wurde der Ort Boldewinstorp, später Bollensdorf, angeführt: die Pfarrstelle mit vier Hufen Land und die Kirche mit einer Hufe.

Mit einer Länge von 11 m und einer Breite von 7,50 m gehörte diese Kirche zu den kleinsten Sakralbauten auf dem Barnim. Die Außenwände aus Feldsteinen wiesen im Westen und Osten eine Dicke über 1,40 m und die Nord- und Südwand eine Dicke über 1,20 m auf. Die Nordwand hatte eine kleine Pforte für den Priester und die Westwand den Zugang für die Gemeinde. Nach der Reformation wurde die kleine Priesterpforte vermauert und die Fensteröffnungen stark vergrößert.
Um 1580 wurde die Kirche mit dünneren Außenwänden nach Osten um das Doppelte vergrößert. Dachmittig wurde ein hoher und spitzer Glockenturm gebaut. Das Seil für die Glockenbewegung ragte mitten in den Kirchraum hinein.
Die 300 Jahre ansässigen Patronatsfamilien derer von Görtzke nutzten auf der Westseite eine Empore, die später durch die Glockenempore ersetzt wurde. Von diesen Familien sind noch ein hölzernes Kruzifix, zwei Stiftertafeln aus dem Jahr 1621, ein Abendmahlskelch und eine Taufschale von 1651 vorhanden. An der Außenwand befindet sich ein Gedenkstein zur Erinnerung an drei verstorbene Jugendliche dieser Familien.

Ab 1856 wurden durch die Familie Kelch bauliche Veränderungen vorgenommen. Die betrifft den Anbau der Apsis, den Kirchturmanbau mit Turmuhr und die Orgelempore mit einer Wittig-Orgel. Am 13. September kann die neu gestaltete Kirche zum Tag des offenen Denkmals von 12 bis 17 Uhr besichtigt werden.
Autor: Klaus Wegner, Geschichtskreis der evangelischen Verheißungskirchengemeinde Neuenhagen-Dahlwitz
