Projekt „Hier nimmt Einheit Platz“ – und plötzlich ist alles grau


Die bunte Bank sollte ein Zeichen für Gemeinschaft sein. Für die vielen Vereine und Menschen, die Neuenhagen lebendig machen. Für Zusammenhalt, Vielfalt und die Deutsche Einheit. Heute ist von der ursprünglichen Idee kaum noch etwas zu sehen. Die bunte Bank des Projekts „Hier nimmt Einheit Platz“, die erst vor knapp zwei Monaten im Herzen von Neuenhagen (vor dem Rossmann) aufgestellt wurde, ist großflächig mit Sprühfarbe beschmiert. Die Farben, die sie zu einem besonderen Hingucker machten, sind kaum noch zu erkennen.

Wer macht so etwas – und warum?

Die Bank entstand als gemeinsames Projekt vieler Neuenhagener Vereine und der Partnergemeinde Świebodzin. Sie war ein Geschenk des Fördervereins der Goethe-Grundschule an die Gemeinde – und damit an alle Bürgerinnen und Bürger Neuenhagens. Über einen QR-Code an der Bank kann man sich in Videos über die Arbeit der Vereine informieren. Das von der Bundesregierung geförderte Projekt wurde sogar mit einem Preisgeld ausgezeichnet. Sie sollte auffallen und zu Austausch einladen. Dass sie auf diese Weise für Gesprächsstoff sorgt, war so nicht gedacht.

Die bunte Gestaltung war bewusst gewählt. Die Farben stehen für Vielfalt, Gemeinschaft und das Miteinander der beteiligten Vereine. Sie stehen nicht für eine bestimmte Orientierung, schließen aber auch keine aus. Umso bitterer ist es, dass dieses Zeichen des Miteinanders nach so kurzer Zeit beschädigt wurde. Und es blieb nicht bei der Bank: In derselben Nacht wurde auch das Bürgerhaus beschmiert. Die Gemeinde hat Anzeige erstattet.

Projekt „Hier nimmt Einheit Platz“ – und plötzlich ist alles grau

Tatzeit: vermutlich nachts vom 09. auf den 10.08.2026

Tatort: mitten in Neuenhagen

Man könnte sagen: „Es ist doch nur eine Bank.“ Aber es ist eben mehr. Sie steht für das Engagement vieler Menschen, für die Arbeit zahlreicher Vereine und für eine Idee, die von vielen getragen wird. Wir wissen, dieser Vandalismus steht nicht für ganz Neuenhagen. Er trifft aber ein Projekt, in das viele Menschen Zeit, Engagement und Herzblut gesteckt haben – für die Gemeinschaft und für unsere Gemeinde. Toleranz heißt nicht, dass man jede Farbe mögen muss. Aber es gehört zu einer lebendigen Gemeinschaft, andere Farben auszuhalten. Freie Meinungsäußerung hat ihren Platz - abseits von Straftaten.

Die Beseitigung der Vandalismusschäden kostet Geld, viel Geld – Geld aus der Gemeindekasse und damit letztlich von uns allen. Es lohnt sich, einmal darüber nachzudenken, was wir in unserem Ort bewahren wollen. Wenn das Bunte verschwindet, bleibt irgendwann nur Schwarz und Weiß für uns alle. Eine lebendige Gemeinschaft lebt davon, dass viele Farben nebeneinander Platz haben. Der QR-Code zu den Seiten der Vereine auf der Bank funktioniert weiter. Ein kleines, vielleicht passendes Zeichen.

Text: Förderverein der Goethe-Grundschule e.V.