Glockenturmzwiebel

Neuenhagener Straßen: Die Platanenallee


Neuenhagen hat 235 Straßen und Wege. Einige sind kurz, andere lang, manche sind nach Personen andere, zum Beispiel, nach Bäumen benannt. Unser Weg führt uns heute in die Gartenstadt, genauer in die Platanenallee. Sie befindet sich zwischen der Lindenstraße und dem Hönower Feld. Ihre Länge beträgt ca. 810 Meter und fünf Straßen kreuzen ihren Verlauf.

Einst gab es in ihr vier Läden, einen Kohlehandel, einen Baustoffhandel, eine Molkerei und einen Frisör. Heute gibt es, wenn ich mich nicht verzählt habe, noch zwei Firmen in der Straße. Die Geschichte der Straße beginnt im Jahr 1910 mit dem von der Gemeindevertretung bestätigten Parzellierungsplan der "Allgemeinen Bau- und Ansiedelungsgesellschaft m.b.h.". In den alten Plänen noch als „Straße 76“ bezeichnet, bekommt sie später den Namen der an ihren Straßenrändern gepflanzten Bäumen. Der im März 1920 eingereichte Antrag zur Benennung der „Straße 76“ kam damals vom örtlichen „Grundbesitzerverein Gartenstadt Hoppegarten“. Im Mai gleichen Jahres wurde diesem stattgegeben.

Siedlerglück in den 1920er Jahren in der Platanenallee/Foto: Frank Lehmann

Interessant ist das auch, das alle die Straßen, welche noch heute die Platanenallee kreuzen, ebenfalls im gleichen Zusammenhang damals ihren Namen bekamen. 1924 begann man mit der Regulierung der Straße. Gemeint ist hiermit die bauliche Ordnung des Straßenverlaufs zur Herstellung der Straße. Enthalten hierin waren unter anderen die Erschließung und Begradigung von Straßenzügen sowie die Anpassung von Straßenbreite und Verlauf. Ebenso enthielt sie die Festlegung bezüglich der Gehwege. Geplant waren damals eine sechs Meter breite Schlackestraße, mit einer 20 cm dicken Schicht. Ebenso wurden zwei bis drei Meter breite Bürgersteigen angelegt, auf denen je ein 1,50 m breiter und mit Zementfliesen – also Gehwegplatten – bedeckter Bürgersteig angelegt werden sollte. Auf dem linken Gehweg, von der Lindenstraße aus gesehen, sollte es zusätzlich einen Sommerweg (ein leicht hergerichteter Randstreifen) geben. Geplant war eine dreireihige Bepflanzung mit Platanen.

Werbeannonce zur Eröffnung der Bäckerei 1930/ Quelle: Archiv Kai Hildebrandt

Ein erhaltenes Dokument berichtet über die knappe Entscheidung der Anlieger bei einer Abstimmung. Grund dafür war die Entscheidung, ob man eher Steinpflaster oder Schlacke als Belag verwendet. Diese endete mit 17 zu 14 Stimmen für die Pflasterung mit Steinen. Den Zuschlag nach Ausschreibung bekam hierfür die Firma des Steinsetzer Meister Gustav Walter aus Köpenick.
Erhalten ist auch die Rechnung, die den Herkunftsort von Bord- und Pflastersteinen erwähnt. Den Zuschlag hatten die Sächsischen Granitwerke von Friedrich Rietscher in Häslich (nördlich von Dresden) bekommen. Die Bepflanzung mit Platanen, allerdings nur zweireihig, wurden damals vom ortsansässigen Gärtnermeister Otto Gliese übernommen der, seine Gärtnerei in der Hauptstraße nahe dem Edda Kino hatte. Die Unterlagen geben nur bis zum Jahr 1925 Auskunft, was ein Ende der Arbeiten zu diesem Zeitpunkt vermuten lässt.

Die Nahversorgung der Anwohner in der Platanenallee war erstaunlich gut. Auf der noch nicht einmal 1000 Meter langen Straße gab es mehrere Geschäfte und Dienstleister. Kam man von der Lindenstraße, befand sich kurz vor der Ecke zur Grünen Aue der Friseurladen von Joseph Passavanti. Erzählungen zufolge gab es hier des Öfteren hitzige Debatten über den letzten Renntag in Hoppegarten. Ein Stück weiter, direkt an der Ecke zur Grünen Aue, war der Wollladen von Hedwig Müller. Ab 1930 beherbergte die heutige Hausnummer 26 einen Bäckerei- und Konditorladen. Selbst gebacken wurde hier nicht. Betrieben und beliefert wurde er durch Wilhelm Spiegel, der seinen Laden nebst Backstube in der heutigen Rudolf- Breitscheid-Allee hatte (heute ein Barbershop). Ihm schloss sich der Holz-, Kohle- sowie Baustoffhandel von Erich Bonk an. Heute hat dort die alteingesessene Neuenhagener Firma Otto ihren Sitz. Gleich um die Ecke gab es in der Friedenstraße die Fleischerei von Arthur Kiel. Weitere Läden folgten im oberen Bereich der Straße. So gab es dort den Lebensmittelladen von Hermann Lempert und nur einige Schritte weiter, wenn auch nur kurzzeitig, die Molkerei von Auguste Schumann. Den Abschluss bildete das Lebensmittelgeschäft von Helene Priese an der Ecke zum Grünen Bogen. Wer bis dato seine fehlenden Artikel noch nicht zusammen hatte, dem standen noch zwei weitere Lebensmittelläden in der Straße Unter den Ulmen zu Verfügung. Alles in allem hatten die Anwohner aber alles, was sie brauchten, wenn sie eine solche Einkaufstour abgeschlossen hatten.

Eine interessante Geschichte offenbart noch ein Dokument aus dem Jahr 1950. Gerichtet an den Rat der Gemeinde, beschwert sich eine Anwohnerin über die miserable Straßenbeleuchtung in der Straße. Während die, so heißt es im Text, zahlreichen Werktätigen noch den Weg in der Finsternis finden, sind es Ortsunkundige, die sich oftmals kaum in der dunklen Straße zurechtfinden konnten. Als Beispiel führte sie den Pfarrer Dürr an, der auf seiner Suche nach einem Anwohner, ausgestattet mit einer Taschenlampe, von Haus zu Haus durchfragen musste. Die Antwort der Gemeinde enthielt lediglich den Hinweis, dass ein Ausbau der Straßenbeleuchtung in diesem Jahr auf keinen Fall mehr stattfinden wird. Jedoch wurde versprochen, dass die Gemeinde den Ausbau stark vorantreiben wird und Mittel dafür bewilligt. Dort, wo einst ein Feld den Straßenverlauf beendete, führt heute ein Radweg über den Zochegraben nach Hönow.