Ein Kapitel Uhren-Meisterklasse geht zu Ende. Nach 44 Jahren schließt Joachim Zucker zum 31. Dezember sein Geschäft in der Hauptstraße 23. Er tut dies vor allem mit einem weinenden Auge. Denn trotz aller Bemühungen in den vergangenen sieben Jahren seit seinem Renteneintritt konnte er keinen Nachfolger oder eine Nachfolgerin finden. Und er hat einiges versucht. Bis hin zum persönlichen Werben an Uhrmacherschulen. Dabei hat er in seinem Haus in der Hauptstraße neben den Geschäftsräumen auch gleich noch eine Wohnung anzubieten. Es hat dennoch mit der Weitergabe im Interesse der vielen Kunden in Neuenhagen und darüber hinaus nicht geklappt.
Für sich kann Joachim Zucker nach 56 Berufsjahren jedenfalls sagen: "Uhren sind Schmuckstücke und zugleich präzise Messgeräte. Meine Begeisterung vor allem für mechanische Uhren ist ungebrochen."

Von 1970 bis 1973 lernte Joachim Zucker in Berlin sein Handwerk. Anschließend sammelte er erste Berufserfahrungen im Service-Center des Kombinates Ruhla in Berlin. Die Meisterschule folgte von 1977 bis 1979 und anschließend die Tätigkeit als Lehrmeister.
„Ich wollte selbständig arbeiten und es passte für mich, dass die DDR-Führung in den 1970er Jahren verstanden hatte, dass der Dienstleistungsbereich gestärkt werden muss“, erzählt der 72-Jährige. Die damalige Kollegin und Neuenhagenerin Susann Flach habe ihm dann einen Tipp gegeben und letztlich konnte er nach langem Hin und Her die Nachfolge von Uhrmacher Otto Görke in der Ernst-Thälmann-Straße 29 antreten. Der Kundenraum und die Werkstatt befanden sich auf 17 sanierungsbedürftigen Quadratmetern mit einem Kanonenofen als Prunkstück. Am 1. September 1982 eröffnete Joachim Zucker sein Geschäft und bekam alle Hände voll zu tun, wie er sich noch gut erinnert. Die Werkstatt erwies sich bald als zu klein und im Sommer 1987 zog Joachim Zucker in die Hauptstraße 14-16, in einen ehemaligen HO-Schuhladen, und stellte Uhrmacherin Kerstin Schultz zur Mitarbeit ein.
Ab März 1990 konnte Joachim Zucker die Gewerbegenehmigung zum Verkauf von Uhren und Schmuck erweitern. Zur Unterstützung stellte er die Uhrmacherin Henriette Bokemeyer ein. Als der Vermieter die Geschäftsräume 1991 kündigt, hilft Bürgermeister Klaus Ahrens und vermittelt die Räume in dem einstigen HO-Delikatladen in der Hauptstraße 23, dem Firmensitz seither.
Bis Ende Dezember hat Joachim Zucker geöffnet. Im letzten Monat wird er seine Öffnungszeiten noch einmal erweitern, von Dienstag bis Sonnabend mit dem Service und dem Angebot von Uhren und Schmuck für Kunden da sein.
Text: Siegfried Wagner
