Graditzer Hof

Beschreibung

Der Graditzer Hof gehört wie der Rennstall Waldfried und der Rennstall Schlenderhan zu den drei berühmtesten von einst rund 20 Rennställen in Neuenhagen. Der Berliner Rentier Erich Feigell ließ sich hier 1891 eine zweigeschossige Villa mit Hofgebäude, einem Villengarten sowie einem Pferdestallgebäude mit angrenzendem Wirtschaftshof errichten. 1907/08 erwarb der preußische Staat das Grundstück, um die Galopper des Königlichen Hauptgestüts Graditz (bei Torgau gelegen) auf Leistungsprüfungen vorzubereiten. Bis 1935 entstand so der Rennstall Graditz mit vier weiteren Ställen, einer überdachten Reitbahn, einem Haus für die Lehrlinge sowie einem Krankenstall. Die 1908 erbaute Schmiede ist nicht erhalten.
Direkt neben dem Gelände befindet sich bis heute die 1885 durch den in Hoppegarten ansässigen Besitzer Oscar Oehlschläger angelegte Idea-Trainierbahn, die ihren Namen nach einem erfolgreichen Pferd Oehlschlägers erhielt. Graditz stand lange Jahre an der Spitze der erfolgreichen Rennställe in Deutschland, allein 12 mal wurde das wichtigste deutsche Rennen, das Derby, durch Pferde aus Graditz gewonnen. Der Rennstall verfügte über ca. 51 Boxen.
Am 5. Februar 1945 wurde der Rennstall Graditz geräumt, die Pferde nach Niedersachsen gebracht. Nach dem Neuanfang 1951 als volkseigener Rennstall – später waren auf dem Gelände die drei Rennställe Graditz, Görlsdorf und Bastei untergebracht –bestimmten die Pferde von hier das Geschehen auf vielen Rennbahnen in der DDR. Seit den 1980er Jahren steht das Ensemble unter Denkmalschutz. Als im April 1990 der Verkauf der bis dahin „volkseigenen“ Graditzer Rennpferde begann, endete eine gewaltige Epoche der staatlichen Vollblutzucht auf dem Graditzer Hof in Neuenhagen. Nach der Wende wurde der Graditzer Hof mit der angrenzenden Idea-Bahn von der Treuhand veräußert und befindet sich heute in Privatbesitz.