Einsatz Nummer 60 im Jahr 2026 der Freiwilligen Feuerwehr Neuenhagen bei Berlin wurde als „Großbrand in einem Einkaufsmarkt“ durch die Feuerwehr in den sozialen Medien der Öffentlichkeit bekannt gemacht. Die deutlich sichtbare Rauchwolke, die gegen Mittag am 4. Mai 2026 von vielen Neuenhagenern wahrgenommen wurde, ließ auch Gemeindewehrleiter Rico Vogel auf der Fahrt zum Einsatzort schon das Ausmaß des Brandes erahnen. Der Einsatzleiter schildert im Interview seine Eindrücke vom Einsatz in der Carl-Schmäcke-Straße 28 und beschreibt die enorme Leistung der Einsatzkräfte.
Wie genau gestaltete sich der Einsatzablauf?
Vogel: Wir wurden um 12:37 Uhr mit dem Hinweis alarmiert, dass ein Pfandautomat im Edeka-Markt brennen soll. Gemäß Alarm- und Ausrückeordnung wurden neben der Feuerwehr Neuenhagen auch ein Löschfahrzeug der Feuerwehr Altlandsberg alarmiert. Bereits auf der Anfahrt wurde uns mitgeteilt, dass sich der Brand im Markt weiter ausbreitet. In kurzer Folge wurden daraufhin weitere Kräfte umliegender Feuerwehren und auch Technik des Landkreises Märkisch-Oderland sowie zusätzliche eigene Kräfte nachalarmiert. Es ging insbesondere darum, ausreichend Atemschutzgeräteträger einsetzen zu können. Der eigentliche Brand war dann um 14:05 Uhr unter Kontrolle. Bei den Nachlöscharbeiten wurde jedoch festgestellt, dass sich der Brand in die Dachdämmung ausgebreitet und dort eine Reaktion im Dämmstoff ausgelöst hatte. Das Dach musste deshalb geöffnet werden, um die Dämmstoffe aufzunehmen und zu entfernen. Letztlich zogen sich diese Maßnahmen bis zum nächsten Tag hin. Erst um 15:24 Uhr konnte ich der Leitstelle melden, dass der Brand vollständig gelöscht ist.
Von der Polizei abgesehen waren an dem Einsatz außerdem die Nachbarfeuerwehren aus Altlandsberg, Hoppegarten, Fredersdorf-Vogelsdorf und Petershagen/Eggersdorf sowie der Kreisbrandmeister, der Fachdienst Zivil-, Brand- und Katastrophenschutz, das Feuerwehrtechnische Zentrum des Landkreises Märkisch-Oderland, die DLRG, die Notfallseelsorge und der Rettungsdienst Märkisch-Oderland beteiligt. Insgesamt kamen 43 Einsatzfahrzeuge zum Einsatz. Wie behält man bei einer solchen Zahl an Kräften den Überblick?
Vogel: Um derart viele Einsatzkräfte im Blick zu behalten, werden sogenannte Einsatzabschnitte gebildet. Diese arbeiten im Auftrag des Einsatzleiters eigenständig und verfolgen die ihnen zugewiesenen Ziele. Um diese Ziele regelmäßig abzugleichen, werden Lagebesprechungen durchgeführt. Ich hatte als Einsatzleiter in diesem Einsatz die Aufgabe, die Gesamtstrategie zu entwickeln und für die Einsatzabschnitte entsprechende Aufträge zu formulieren.
Ihre Ausführungen zeigen, dass von einem gewöhnlichen Einsatz keine Rede sein kann. Zu welchem Zeitpunkt war Ihnen das Ausmaß des Brandes bewusst?
Vogel: Von einem gewöhnlichen, eher alltäglichen Einsatz unterschied sich diese Lage aus meiner Sicht bereits auf dem Weg zum Standort Süd. Schon dort war wenige Minuten nach der Alarmierung eine deutliche Rauchentwicklung aus Richtung des Einsatzortes erkennbar.
Wie ist das Ereignis im Vergleich zu anderen Einsätzen einzuordnen?
Vogel: Die hohe Zahl an Einsatzkräften, die Bildung mehrerer Einsatzabschnitte, der umfangreiche Atemschutzeinsatz und die Nachlöscharbeiten bis zum Folgetag zeigen, dass es sich um eine außergewöhnliche Einsatzlage handelte.
Welchen Belastungen waren die Einsatzkräfte ausgesetzt?
Vogel: Die Nachlöscharbeiten, insbesondere das Aufnehmen der Dämmung, stellten eine erhebliche körperliche Belastung dar. Das Material war sehr schwer und strahlte aufgrund des Brandgeschehens weiterhin eine deutliche Hitze ab. Diese Arbeiten brachten die eingesetzten Kräfte an ihre Leistungsgrenze. Die Trupps kamen bis auf die Unterwäsche durchgeschwitzt aus dem Einsatz und mussten im Anschluss entsprechend ruhen und regenerieren.
Es gab auch Verletzte aus den Reihen der Feuerwehr. Können Sie etwas zu der Schwere der Verletzungen sagen?
Vogel: Im Laufe des Einsatzes kam es bei zwei Kameraden zu Kreislaufdysregulationen. Beide waren nach kurzer Zeit wieder einsatzfähig.
Als Außenstehender sieht man die große Zahl an Einsatzkräften bei einem derart heftigen Brand vor Ort. Die Neuenhagener Feuerwehr wird von ehrenamtlichen Kräften betrieben. Können Sie einmal grundsätzlich schildern, welche Herausforderungen für ihre Kameraden bei einem solchen mehrtägigen Einsatz anstehen. Ich denke da an die Koordination mit den Arbeitgebern oder der Familie…
Vogel: Die Herausforderungen für die Einsatzkräfte sind enorm. In der Erstphase eines solchen Einsatzes bleibt in der Regel keine Zeit, die Familie oder den Arbeitgeber über die plötzliche Abwesenheit zu informieren. Im besten Fall haben diese die Alarmierung mitbekommen und können die spontane Abwesenheit entsprechend einordnen. Im weiteren Einsatzverlauf wird – abhängig von der Lage – Raum geschaffen, um private Angelegenheiten zu regeln. Dazu kann beispielsweise gehören, dass ein Kind von den Großeltern aus der Kita abgeholt wird oder die Partnerin beziehungsweise der Partner anstehende Termine absagt oder übernimmt. Ist dies nicht möglich, werden Einsatzkräfte auch aus dem Einsatz entlassen, damit sie ihren privaten Verpflichtungen nachkommen können. Bei diesem sehr langen Einsatz haben einzelne Einsatzkräfte die Einsatzstelle zeitweise verlassen, sind später zurückgekehrt und wurden anschließend erneut eingesetzt. Kurz gesagt: Nicht nur die Einsatzkräfte versuchen, kurzfristig zu planen – auch die Einsatzleitung berücksichtigt private Verpflichtungen und organisiert den Einsatz so, dass diese, soweit möglich, wahrgenommen werden können.
Was war die größte Herausforderung dieser Lage?
Vogel: Die einsatztaktische Herausforderung war letztlich beherrschbar. Die körperliche Leistung, die insbesondere den eingesetzten Trupps bei der Aufnahme der Dämmung abverlangt wurde, war jedoch enorm.
Können Sie etwas zur Brandursache sagen?
Vogel: Ich konnte ein Video der Brandentstehung einsehen, was auf einen technischen Defekt als Brandursache hindeutet. Die Ermittlungen der Polizei hierzu sind aber noch nicht abgeschlossen. Umso mehr bestürzen mich die bereits in der frühesten Anfangsphase aufgekommenen Spekulationen und Gerüchte innerhalb der Gemeinde zur Brandursache. Ich würde mir daher wünschen, dass hier Zurückhaltung geübt wird, bis von offizieller Stelle eine entsprechende Mitteilung veröffentlicht wurde.

