Die Gemeinde Neuenhagen bei Berlin warnt aktuell vor den gesundheitlichen Gefahren, die von den Raupen des Eichenprozessionsspinners (EPS) ausgehen. Um die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten, hat die Gemeindeverwaltung bereits proaktiv rund 230 öffentliche Bäume präventiv mit biologischen Mitteln behandelt. Dennoch ist in der aktuellen Saison besondere Vorsicht geboten.
Wo liegt die Gefahr?
Die primäre Gefahr geht nicht von der Raupe selbst aus, sondern von ihren mikroskopisch kleinen Brennhaaren, die sich ab dem dritten Larvenstadium (meist ab Mai/Juni) bilden. Eine einzige Raupe besitzt bis zu 600.000 dieser Haare, die das Nesselgift Thaumetopoein enthalten.
Die Haare brechen leicht ab, werden durch den Wind über weite Strecken getragen und verhaken sich in Haut, Kleidung und Schleimhäuten. Besonders tückisch: Die Brennhaare bleiben auch in alten, verlassenen Nestern am Baum oder im Unterholz über viele Jahre (teils bis zu 12 Jahre) gefährlich.
Mögliche gesundheitliche Reaktionen:
- Haut: Stark juckende Ausschläge (Raupendermatitis) mit Rötungen, Quaddeln und Bläschen.
- Atemwege: Schmerzhafter Reizhusten, asthmaähnliche Anfälle und Atemnot beim Einatmen der Haare.
- Augen: Schmerzhafte Bindehautentzündungen, Lid-Schwellungen und Lichtscheu.
- Bei schweren allergischen Reaktionen (Schwindel, Atemnot) muss umgehend der Notruf (112) gewählt werden.
Achtung Tierhalter: Für neugierige Hunde und Katzen besteht durch Schnüffeln Gefahr! Das Gift kann schwere Schwellungen der Atemwege und im schlimmsten Fall das Absterben der Zunge (Nekrose) verursachen. Bitte suchen Sie bei ersten Anzeichen sofort einen Tierarzt auf.
Wer ist zuständig? (Meldewege und Verantwortlichkeiten)
Die Zuständigkeiten für die Bekämpfung richten sich nach der Verkehrssicherungspflicht und dem jeweiligen Grundstückseigentümer.
1. Öffentliche Flächen (Straßen, Parks, Spielplätze): Hier ist die Gemeinde Neuenhagen zuständig. Sobald ein Befall gemeldet wird, kennzeichnet die Verwaltung den Baum mit Flatterband und beauftragt eine zertifizierte Fachfirma mit dem Absaugen der Nester.
- Meldestelle: Fachgruppe Öffentliches Grün, Frau Hauch
- Telefon: 03342 245-655
- E-Mail: e.hauch@neuenhagen-bei-berlin.de (Bitte mit genauer Standortangabe, bestenfalls mit der Baumnummer)
2. Privatgrundstücke: Für Bäume auf Privatgrundstücken sind die Eigentümer selbst verantwortlich. Die Gemeinde darf und wird auf privaten Flächen keine Nester entfernen.
3. Waldgebiete (z.B. Waldgebiet Elisenhof): Zuständig ist der Landesbetrieb Forst Brandenburg. Im Wald gilt der Eichenprozessionsspinner als "waldtypisches Risiko". Eine aktive Bekämpfung findet hier meist nicht statt; es wird in der Regel nur mit Schildern gewarnt.
Wichtige Verhaltensregeln: Niemals selbst handeln!
Entfernen Sie die Nester unter keinen Umständen selbst! Der Versuch, Nester abzuflammen, mit dem Hochdruckreiniger oder Laubbläser abzulösen, ist extrem gefährlich. Die giftigen Haare werden dadurch massiv in der Luft aufgewirbelt und kontaminieren die gesamte Nachbarschaft. Die Entfernung darf ausschließlich durch zertifizierte Fachbetriebe erfolgen, die mit Chemikalienschutzanzügen und speziellen Asbest-Industriesaugern arbeiten.
Erste Hilfe bei Kontakt
Sollten Sie oder Ihr Haustier mit den Brennhaaren in Berührung gekommen sein:
- Kleidung ausziehen: Ziehen Sie betroffene Kleidung idealerweise noch im Freien aus und waschen Sie diese bei mindestens 60∘C in der Waschmaschine, um das Nesselgift zu zerstören.
- Körperreinigung: Duschen Sie sich und waschen Sie gründlich Ihre Haare (nicht rubbeln!).
- Haut abtupfen: Sichtbare Haare auf der Haut können vorher vorsichtig mit einem Klebestreifen abgetupft werden. Auf keinen Fall kratzen, da die Widerhaken sonst tiefer in die Haut eindringen.
- Symptomlinderung: Bei leichtem Juckreiz helfen kühlende Umschläge, antiallergische Gele oder kortisonhaltige Cremes aus der Apotheke.
Passen Sie bei Spaziergängen auf sich auf, respektieren Sie bitte aufgestellte Absperrungen und sensibilisieren Sie auch Ihre Kinder für die Gefahren.
Weiterführende amtliche Informationen und Quellen
Für Bürgerinnen und Bürger, die sich tiefergehend mit der Thematik des Eichenprozessionsspinners befassen möchten, stellen die folgenden Links zu Bundes- und Landesbehörden sowie Fachinstitutionen verlässliche und weiterführende Informationen bereit.
- Umweltbundesamt (UBA): Das UBA bietet umfassende Informationen zu Gesundheitsrisiken, Bekämpfungsmethoden und rechtlichen Rahmenbedingungen.
- Land Brandenburg: Zuständige Landesbehörden informieren über die Lage und Maßnahmen in Brandenburg.
- Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz (MLUK) (Informationen werden saisonal bereitgestellt)
- Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE) (Zuständig für Waldschutz und Monitoring)
- Deutscher Wetterdienst (DWD): Der DWD betreibt ein Frühwarnsystem, das den phänologischen Entwicklungsstand der Raupen deutschlandweit darstellt.
- Naturschutzbund Deutschland (NABU): Der NABU informiert über die ökologischen Zusammenhänge und bewertet Bekämpfungsmaßnahmen aus Naturschutzsicht (https://brandenburg.nabu.de/natur-und-landschaft/landnutzung/forstwirtschaft/14981.html).
Autor: Rico Wendel ist Fachgruppenleiter Öffentliches Grün, Baum- und Naturschutz im Fachbereich Bauverwaltung und öffentliche Ordnung in der Gemeinde Neuenhagen bei Berlin
